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Eiliff (Koeln) - Eiliff - 1971

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EILIFF erinnern mit ihrem Jazzrock, in den auch etwas Artrock einfließt, an Soft Machine, vor allem aber auch an Xhol Caravan, ohne die aber nachzuahmen. Der Name stammt von Herbert Kalveram und hat keinerlei Bedeutung. Gegründet wurde die Gruppe in den späten sechziger Jahren von Rainer Brüninghaus (*1949 in Bad Pyrmont) an den Tasten, Detlev Landmann (*24.7.1946 in Essen) am Schlagzeug, Herbert J. Kalveram (*26.2.1944 in Oberhausen) am Saxophon, dem Engländer Bill Brown am Baß und dem in Berlin und Düsseldorf auf-gewachsenen Perser Houschäng Nejadepour an der Gitarre und Sitar. Alle waren sie erstrangige Könner auf ihren Instrumenten, wie man sie selten so geballt findet. Die ersten drei, mit gründlicher Ausbildung, hatten schon reichlich Bühnenerfahrung in verschiedenen Jazzgruppen gesammelt.
Herbert Kalveram: ...Wir kamen von der Spitze der Pyramide. Wir haben elitäre Musik gespielt, Jazz und Free Jazz. Man befriedigte sich selbst und noch eine Handvoll anderer Leute. Die kamen zu einem und sagten: Mensch, Du bist gut! Aber: Wir wollten nicht länger in diesem Wahnsinnszirkel bleiben: elitäre Musik für elitäre Schichten.... Man zog nun zusammen in ein Haus in Köln-Rath am Rather Mauspfad 75 und geriet in dieser gutbürgerlichen Gegend schnell in Verruf als langhaariges und kommunistisches Gesocks, das andauernd Orgien feierte. Diese Gerüchte kamen ihnen jedenfalls zu Ohren.

Kein Wunder in einer Zeit des Umbruchs, als Haschisch noch süchtig machte, Anzüge und Kirchgang beinahe Pflicht waren und Richard M. Nixon sein Unwesen trieb. Trotz alledem gelang es dem Musikkollektiv Eiliff, wie man sich selbst nannte (Entscheidungen wurden nur einstimmig getroffen), einen Vertrag mit Philips zu bekommen. 1971 erschien ihre erste - namenlose - LP (Philips 6305103). In mehreren Besprechungen wurde ihnen nun vorgeworfen, sich an Soft Machine angelehnt zu haben. Das entbehrte allerdings jeder Grundlage, denn bis dahin hatten Eiliff noch gar keine Platten von Soft Machine gehört. Jedenfalls war das Ergebnis in Rillen den verantwortlichen Leuten etwas zu schräg. So verdonnerten sie die Gruppe dazu, nun zwei eingängigere Stücke für eine Single einzuspielen. Die erschien noch im gleichen Jahr als "Ride on big brother/Day of sun" (Philips 6003225), hatte aber auch nicht mehr Erfolg. Entgegen manchen Vermutungen kam sie also erst nach der ersten LP, nicht vorher. In unveränderter Besetzung machte man sich im Frühjahr 1972 an die Aufnahmen zur zweiten Langspielplatte, die noch im gleichen Jahr als "Girlrls!" (Philips 6305145) erschien.

Dazu Norbert Odorinsky in Sounds: ...Schon das Cover läßt Schlimmes vermuten. Wer sein Werk in so eine Geschmacklosigkeit einhüllt, darf sich nicht wundern, wenn der Kern nicht ernst genommen wird. Die Musik ist durchaus nicht langweilig, und in den längeren Improvisationsteilen, wo wirklich etwas passiert, muß man sie zur anspruchsvollen Richtung zählen. Doch fehlt ganz offensichtlich der Blick fürs Ganze, sorgfältige Abgerundetheit, Aufbau, organische Entwicklung usw. Der Hörer wird gezwungen, auf den jeweiligen Moment des Hörens zu achten, eben weil der Plan eines ganzen Werkes fehlt....

Zu der Geschmacklosigkeit ist zu sagen, daß die Plattenhüllen von Philips/Phonogram entworfen und gestaltet und der Gruppe lediglich zur Freigabe vorgelegt wurden. Beide LPs wurden 1994 als CDs wiederveröffentlicht (SPM-WWR-CD-0067 und SPM-WWR-CD-0068), doch übersah man dabei leider die Single. Philips verzichtete darauf, den Vertrag mit Eiliff zu verlängern, als der Durchbruch ausblieb und die Käufer auf einen kleinen Kreis von Eingeweihten beschränkt blieben. Das war auch nicht anders zu erwarten gewesen, denn Progressivrock, dazu noch jazzig, war damals ebensowenig Massenware wie heute.

Am 18.10.1972 spielten Eiliff in Köln. Dieser Auftritt wurde vom Westdeutschen Rundfunk live in der Nachtmusik übertragen. Da der WDR nur die Senderechte hatte, konnten die Veröffentlichungsrechte für die CD "Close encounter with their third one" (GOD CD 036) von den Künstlern erworben werden. Das erste der vier Stücke ist übrigens bisher nirgends veröffentlicht worden und daher eine besondere Kostbarkeit, wenn auch die Aufnahme heutigen Ansprüchen nicht ganz genügt. Es ist nach der uneinnehmbaren punischen Festung an der Westspitze Siziliens benannt. Im Jahr 2003 veröffentlichte das Label Garden Of Delights eine weitere CD: "Bremen 1972" (GOD CD 082) mit Live-Aufnahmen von Radio Bremen.
Als Rainer Brüninghaus 1973 das Angebot bekam, bei Volker Kriegel einzusteigen, sagte er verständlicherweise nicht nein, und das nahm ihm auch niemand in der Gruppe übel. So begannen - in aller Freundschaft - die Auflösungserscheinungen, und zuletzt spielte nur noch Detlev Landmann mit neuen Leuten unter dem Namen "Eiliff" bis auch damit in der zweiten Hälfte der siebziger Jahre Schluß war.

Für den damals dreiundzwanzigjährigen Rainer Brüninghaus sollte seine große Zeit erst beginnen. Nach zwei Jahren mit Volker Kriegel begann ab 1975 eine sieben-jährige Zusammenarbeit mit Eberhard Weber und Charlie Mariano in der Gruppe "Colours".

Ab den achtziger Jahren, in denen er vorwiegend eigene Projekte verwirklichte, bezeichnet ihn das Rororo-Jazzlexikon als führenden deutschen Jazz-Pianisten neben Wolfgang Dauner und Joachim Kühn.
1983 wurde ihm vom Jazz-Papst Joachim Ernst Behrendt der seinerzeit einzige deutsche Jazz-Preis überreicht. 1984 bekam er den Preis der deutschen Schallplattenkritik für eine seiner auf ECM erschienenen Platten "Continuum". Derzeit ist er mit dem norwegischen Saxophonisten Jan Garbarek unterwegs, mit dem er nun schon seit elf Jahren spielt. Außerdem schrieb Rainer Brüninghaus Kompositionen für Symphonieorchester, Bigband, Blasorchester und kleinere Ensembles sowie für Film -und Fernsehmusiken und wirkte acht Jahre lang als Dozent für Klavier an der Musikhochschule Köln. Auch Bill Brown steht noch auf der Bühne. Detlev Landmann spielte noch in mehreren Gruppen und gab bis in die neunziger Jahre hinein Schlagzeuguntemcht an den Universitäten Duisburg und Aachen. Houschäng Nejadepour war 1974 Mitglied von Guru Guru auf deren LP "Dance of the flames" (Atlantic ATL 50044, 1996 illegal in Luxemburg wiederveröffentlicht als Bootleg-CD Germanofon 941073). Zumindest bis in die neunziger Jahre hinein trat er noch gelegentlich mit seiner Sitar auf. Herbert Kalveram hat inzwischen sein Saxophon aus der Hand gelegt.
(Reinhard Horlacher alias Xhol vom Musikzirkus)

01. Byrd-night of the seventh day (5:02)
02. Gammeloni (6:43)
03. Uzzek of Rigel IV (10:54)
04. Suite (20:48)
Eiliff_Eiliff_krautrock
Brown, Bill (4) (bass) 
Brüninghaus, Rainer (6) (organ, electric piano, sounds)  Kriegel, Volker; Weber, Eberhard
Kalveran, Herbert J. (4) (saxophon) 
Landmann, Detlev (4) (electric and acoustic guitar, 12 string guitar, sitar) 
Philips - 1971 - LP

SPM - 1994 - CD

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