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Thirsty Moon (Bremen) - Thirsty Moon - 1972

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DIE THIRSTY-MOON-STORY - Teil 1

Anders als die Musik-Hochburgen Berlin, Hamburg, München oder Düsseldorf und evtl. noch Köln fristete die Krautrock-Szene in Bremen Anfang der 70er Jahre ein Schattendasein. Die anderen Städte begünstigt dadurch, dass dort die einschlägigen Labels ansässig waren, boten den Krautrockhungrigen jede Menge Nahrung. Unzählige Bands kamen und gingen. Der Zuzug experimentierfreudiger und handwerklich versierter Musiker in die Szenestädte schien unerschöpflich.

Da hatten es die Brüder Drogies in Bremen schon wesentlich schwerer, nach Auflösung ihrer Band DRP, neue Mitstreiter zu finden, die bereit waren, die ausgelatschten Pfade des Kopierens englischer oder amerikanischer Popmusik zu verlassen und neue Wege zu gehen. Wie es zur Gründung von Thirsty Moon und zur Aufnahme der ersten Albums kam, erzählt Jürgen Drogies im ersten Teil seines Berichtes, zum Auftakt der auf Long Hair erscheinenden Thirsty Moon-Reihe, die zunächst die ersten 3 Alben der Band sowie die bisher unveröffentlichte Aufnahme eines Konzertes vom 29.05.1975 im Bremer Szene-Club „Lila Eule“ umfasst.

„Das Ende der 60er und der Anfang der 70er Jahre waren keine besonders gute Zeit für Bands. Der Boom der „Beatmusik“ war gerade vorüber, DJs zogen in den Diskotheken mehr Besucher an als Live-Gruppen. Das galt sogar für internationale Stars, Jimi Hendrix und Cream spielten in der Scala in Herford und nicht in ausverkauften Stadien, wie das heute der Fall wäre.
In der Zeitschrift „Sounds“ war viel vom Label „Ohr“ zu lesen, von Bands, die neue Wege gingen, Synthesizer verwendeten und sich nicht an Rock und Pop aus England und Amerika orientierten.

Mein Bruder Norbert und ich hatten bereits mehrere Bandprojekte hinter uns, als wir in einer Schallplattenabteilung die LP „Ikarus“ entdeckten. Auf dem Cover fanden wir die Adresse des Produzenten Jochen Petersen und beschlossen, ihm Demos zu schicken. Gerade hatte sich unsere Band „DRP“ getrennt und wir suchten neue Mitspieler und einen neuen Namen, denn der alte bestand aus den abgekürzten Nachnamen der früheren Besetzung (Drogies, Ranwig, Pickert).

Norbert konnte Harald Konietzko (Bass) motivieren, der wiederum Willi Pape (Saxofon, Flöte) und Erwin Noack (Perkussion) in die Band holte. Hans Werner Ranwig (Gesang, Orgel) war noch von DRP dabei geblieben und mit Michael Kobs (Fender Rhodes, Clavinet) kam ein zweiter Keyboarder dazu. Wir probten in einem kleinen Wochenendhaus in Klein Hollwedel, nicht weit von Bremen. Harald besorgte einen gebrauchten Ford Transit als Bandbus und Willi, der bei einer Werbeagentur arbeitete, kannte von dort die Export-Biermarke „Thirsty Moon“ und gab der neuen Gruppe ihren Namen.

Von Anfang an war es nicht leicht, sich musikalisch „zusammen zu raufen“. Norbert und ich hatten eine Vorliebe für Hendrix und Steve Winwood’s Traffic und bevorzugten Songstrukturen mit Improvisations-Parts im Stil von Rockmusik. Hans Werner „Hucky“ Ranwig war da noch mit auf unserer Seite, während alle anderen Jazz-Rock im Stil von Softmachine oder Miles Davis’ LP „Bitches Brew“ favorisierten.

Die Demos wurden mono mit einem Heimtonbandgerät im Übungsraum aufgenommen und an Jochen Petersen (später Mitglied von „Randy Pie“) nach Hamburg geschickt. Der meldete sich tatsächlich und erzählte uns vom neu gegründeten Label „Brain“, für das er zukünftig produzieren sollte. Er lud uns zu Probeaufnahmen nach Hamburg ein, die vom legendären Tonmeister Conny Plank durchgeführt wurden und tatsächlich kam es zu einem Vertrag mit „Brain“. Jochen produzierte 1972 die erste LP „Thirsty Moon“ und Conny Plank saß am Mischpult. 5 Tage gab es für die 16-Spur-Aufnahmen und einen Tag für den Mix, der wesentlich von Conny Plank geprägt wurde, z. B. durch Effekte wie „Bandmaschinen-Flanging“, das durch Abbremsen von jeweils einer von zwei parallel laufenden Bandmaschinen mit der Hand erzeugt wurde.

Conny war als Tonmeister und teilweise auch Produzent an vielen erfolgreichen Produktionen beteiligt, z.B. Kraftwerk und Neu, schrieb aber auch ca. 10 Jahre später Musikgeschichte durch seine Zusammenarbeit mit Ultravox und den Eurythmics.
Das Plattencover unsere ersten LP (und auch der zweiten und dritten) wurde von Gil Funcius gestaltet. Wir fanden das Titelbild des ersten Albums später sogar in einem Lokal wieder, wo eine ganze Wand damit bemalt worden war.“ (Jürgen Drogies, Juli 2006)

Bei der Beschreibung der Musik des ersten Albums taten sich die berufenen Rockkritiker sehr schwer. Vergleiche mit anderen deutschen Bands wie Release Music Orchestra, Kollektiv, Emergency aber auch Einflüsse von Xhol und Organisation (Kraftwerk-Vorläufer) und sogar Colloseum und Chicago wurden angestellt. Diese Vergleiche werden der Musik von Thirsty
Moon tatsächlich nur unzureichend gerecht. Das Album ist so variantenreich, dass es einfach nicht zu beschreiben ist. Charakteristisch für die Musik des Albums ist die dynamische Spielweise, die sowohl heftige als auch spacige Strukturen verwendet und in seiner Bandbreite vom gefälligen Spiel des Elektropianos bis zu schrillen Saxofoneruptionen, harten Riffs und psychedelischen Ausbrüchen mit rückwärts laufenden Bändern und Phasing-Efekten reicht; weit entfernt vom üblichen Song-Aufbau und dazu gehörigen Arrangements, aber bestimmt von hoher Musikalität und bemerkenswerter handwerklicher Versiertheit. „Die Gruppe spielt Rockmusik“, so Manfred Miller in einem Rundfunkkommentar des Jahres 1973, „von der man sagen kann, dass sie in ihrem Aufbau, in den Prinzipien, von Formen des Jazz und der Kollektiv-Improvisationen beeinflusst ist.“
Der Rezensent der Sounds war in seiner Kritik (4/73) etwas verwirrt, sah die Band, was die deutsche Marktsituation anging, noch auf dem Abstellgleis stehen und bescheinigte dem ersten Album einen unruhigen Anarcho-Sound eher an Softmaschine als an Heaven und Colloseum orientiert.

Aus heutiger Sicht wird das Album erheblich freundlicher gewürdigt. Die Zitate gehen von innovativ, herausragend, hohe Empfehlungsstufe (Gibraltar Enzyclopedia) bis zum „qualitätsvollen, symphonisch-progressiven Jazz-Rock, dermit zum Besten gehört, was aus diesem Genre in Deutschland veröffentlicht wurde“ (Baby-Blaue Seiten/Prog-Reviews/Achim Breiling). Die Brüder Steven und Alan Freeman, Verfasser der Enzyclopedia of Krautrock „The Crack in the Cosmic Egg“ führen die beiden ersten Alben der Band unter ihrer „The Krautrock Top 100“.

Bei der Planung der Thirsty Moon-Reihe konnte Jürgen Drogies in seinem Archiv noch diverse Aufnahmen (Proberaum, Live, Outtakes) auffinden, die als Bonustrack den jeweiligen Alben hinzugefügt wurden bzw. ein eigenes Album bilden („I’ll be back“, Live’75). Es gilt Thirsty Moon wiederzuentdecken. Seid gespannt!

Manfred Steinheuer, August 2006

Beschreibung mit freundlicher Genehmigung von Longhair


01. Morning sun (5:24)
02. Love me (3:54)
03. Rooms behind your mind (3:18)
04. Big city (8:31)
05. Yellow sunshine (21:30)
   
Bonus track Longhair:
   
06. Life is a joke (5:42)
1st edition

Thirsty Moon_Thirsty Moon_krautrock
RI with alternate cover

Thirsty Moon_Thirsty Moon_krautrock
Thirsty Moon_Thirsty Moon_krautrock
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Drogies, Jürgen (5) (guitar, percussion) 
Drogies, Norbert (5) (drums, percussion) 
Kobs, Michael (3) (electric piano) Dennis
Konietzko, Harald (5) (bass, 12 string guitar, vocals) La Düsseldorf; Parzival
Noack, Erwin (2) (congas, percussion) 
Pape, Willi (6) (sopran sax, tenor sax, clarinet, flute, percussion) Dennis; Electric Family; Guru Guru / Uli Trepte (Inbetween); Kickbit Information
Ranwig, Hans Werner (2) (organ, percussion, vocals) 
Brain - 1972 - LP (Bestellnr.: 1021)


Longhair - 2006 - CD

Longhair - 2013 - LP

Longhair - 2013 - CD

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