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Octopus (Frankfurt) - Boat of thoughts - 1976

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Der Plan von PIT HENSEL und CLAUS KNIEMEYER, sich mit seiner Gruppe selbständig zu machen, reifte Mitte des Jahres 1973. Man gewann die Sängerin JENNIFER HENSEL, den Schlagzeuger DIETER BECKE und den Organisten WERNER LITTAU und prüfte das musikalische Konzept auf lokalen (Frankfurter) Veranstaltungen.
Im Sommer 1975 gingen OCTOPUS ins Studio, um die erste Langspielplatte aufzunehmen. Diese Hoffnung war jäh begraben, als dem Produzenten das Geld dafür ausging. Ein Jahr später nahm man – nun auf eigene Rechnung – „The Boat Of Thoughts“ auf. Texter KNIEMEYER („Wir singen englisch, weil wir auch im Ausland ein paar Platten verkaufen wollen“) verpackte in lesenswerter Lyrik Träumereien (wie im Titelsong) und Realitäten (wie die Aggressionen bei 08/15-Gesprächen in „If You Ask Me“), die von melodiösen aber auch hart rockenden Klängen getragen werden.
Mit SEPP NIEMEYER löste die Gruppe im Oktober 1977 „ein immer wieder auftauchendes Problem“: Der neue (dritte) Schlagzeuger gab der komplizierten Rhythmik die nötige Stabilität. Die zu maritimen Themen neigende Band (Octopus = Krake) beschäftigt sich auch auf der Zweit-LP „An Ocean Of Rocks“ mit mystischen Meeresgeschichten. So wird etwa in „Octopus – The Survivor Of Atlantis“ die Unterwasserreise eines Atlantis-Besuchers beschrieben, der unverhofft eine Welt voller Frieden und Freude entdeckt. Dem spannungsreichen, konzertanten Rock gibt JENNIFER HENSEL markant Stimme; „eine motorisch und musikalisch gleich begabte Sängerin“ (Frankfurter Rundschau).
Im September 1978 löste der Gitarrist WINFRIED KOWALLIK (früher bei Streetmark) PIT HENSEL ab. In der neuen Besetzung folgte eine Phase intensiven Tourens durch ganz Deutschland. Als OCTOPUS – zweifelsohne ein Höhepunkt ihrer 79er Konzertsaison – im Juni vor 60.000 Leuten beim „Rock gegen Rechts“-Festival (dokumentiert auf dem Sampler zum Festival) in Frankfurt auftrat, waren die Aufnahmen für das dritte Album „Rubber Angel“ bereits abgeschlossen. Die Musik auf dem Album war im Vergleich zu den eher inhaltsschwangeren Frühwerken direkter und bewußt kommerzieller gehalten. Als „Rubber Angel“ schließlich im Januar 1980 erschien, war der Ausstieg des Gitarristen WINFRIED KOWALLIK und der langjährigen Sängerin JENNIFER HENSEL längst beschlossene Sache. Das vom Hessischen Rundfunk in seinem Dritten Fernsehprogramm ausgestrahlte, 30minütige OCTOPUS-Feature bekam so beinah die Qualität eines Nachrufes. KOWALLIK und HENSEL begannen eigene musikalische Ideen zu verwirklichen. Für eine erste Single
(1981) firmierte man noch unter The Jennifer Capell Band, bevor man im Oktober den ursprünglichen Projektnamen aus den Anfangstagen ’80 doch noch zum Gruppennamen The Radio
wählte...
Kurzzeitig spielten OCTOPUS dann mit der Sängerin DORIS TANGEL und ALEX RODMAN (Gitarre), bevor im Sommer 1980 zunächst der Österreicher GEORG KLIVINYI (Gitarre), im Herbst dann der Wiesbadener Sänger MICHAEL STEIN (Ex-Schinderhannes Rocktheater) OCTOPUS verstärkten und
musikalisch eine neue Richtung gaben. Mit Petrus Wippel als Toningenieur entstand im Januar / Februar 1981 im Spygel Studio in Kirchheim das vierte OCTOPUS-Album mit dem Titel „Hart am Rand“. Was sich auf dem dritten Longplay „Rubber Angel“ im Ansatz angedeutet hat, erfüllte das Frankfurter Quintett auf „Hart am Rand“ weit konsequenter: Der Schritt hin zu gradliniger Rockmusik. MICHAEL STEIN sang in Rock’n’Roll-Manier Songs wie „Monster in der Geisterbahn“, „Bastard“ und „Verfolgungsjagd im Entlüftungsschacht“ fortan in deutscher Sprache. Die Band blieb in dieser Besetzung bis Ende ’81 zusammen.
Schlagzeuger SEPPL NIEMEYER wechselte zur Frankfurter Gruppe Flatsch!, einer Formation, die neben Musik auch optische Reize, Kostüme und Sketche einsetzte... OCTOPUS fanden zunächst keinen konstanten Drummer, spielten statt dessen mit Gastmusikern, darunter auch RINGO FUNK (einem deutschen Rock-All-Star). Auch Keyboarder WERNER LITTAU verließ OCTOPUS, blieb der Formation aber für Auftritte – sozusagen als freier Mitarbeiter –
vorübergehend erhalten. LITTAU verstärkte Hubert Kahs Kapelle, zunächst für Fernsehauftritte, später auch für dessen Konzerte, u. a. bei der 2. Levi’s Festival-Tournee im Frühjahr ’83. Zwischen Herbst ’82 und Frühjahr ’83 traten OCTOPUS dann in konstantem line up mit KNIEMEYER, KLIVINYI, STEIN und ULF WENZEL (Schlagzeug, Alan Woerner Band) sowie Keyboarder HELLO UNVERZAGT auf. Mit dem letzten Auftritt einer Reihe von Konzerten im Mai 1983 lösten sich OCTOPUS auf...
[Günter Ehnert/Detlef Kinsler, Rock in Deutschland, Taurus Press, 1998]
01. The first flight of the owl
02. Kill your murderer
03. If you ask me
04. The delayable rise of a glib
05. We're losing touch
06. The boat of thoughts
   
Octopus_Boat of thoughts_krautrock
Octopus_Boat of thoughts_krautrock
Eule, Frank (1) (drums) 
Hensel, Jennifer (3) (vocals) 
Hensel, Pit (2) (guitars) 
Kniemeyer, Claus D. (3) (bass) 
Littau, Werner (3) (keyboards) 
Sky - 1976 - LP (Bestellnr.: SKY 009)

Sireena - 2009 - CD

Sireena - 2019 - LP

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