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Thirsty Moon (Bremen) - Blitz - 1976

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DIE THIRSTY-MOON-STORY -Teil 3

1974 lernten wir den Bremer Studiobesitzer Rolf Simson kennen, der eigentlich Shanties, Schlager usw. produzierte, aber auch für unsere Musik ein offenes Ohr hatte. Er stellte uns sein Studio auch als Übungsraum zur Verfügung und überließ uns sogar den Platz am Mischpult, den Norbert einnahm. Während die ersten beiden LPs schon mit 16-Spur-Technik aufgenommen worden waren, mussten wir nun mit 8 Spuren auskommen.

Mein Bruder und ich produzierten in Rolf Simsons Studio 1974 das Album „Blitz“ und spielten darauf alle Instrumente. Norbert spielte Schlagzeug und Bass, ich Gitarre und Keyboards. Es gab noch keine Sequencer und einen „Click-Track“ als Rhythmusgrundlage verwendeten wir auch nicht. Wir spielten zuerst Schlagzeug und Rhythmusgitarre gleichzeitig ein. Zu diesem „Grundplayback“ spielten wir dann nach und nach alle anderen Instrumente auf das Band. In der Bremer Stadthalle traten während dieser Zeit einmal Ike und Tina Turner auf. Tina Turner begrüßte das Publikum mit „Are you ready for me?“ Ich beschloss, diesen Satz in meine Komposition „Lord of lightning“ einzubauen, aber auf völlig andere Art. Ich lernte, die Wörter rückwärts zu sprechen, in etwa: „iem roff ider ui rah“, nahm das auf Band auf und ließ diese Aufnahme wiederum rückwärts ablaufen, indem ich die Tonbandspulen mit der Hand drehte. So entstand eine völlig verfremdete Stimme. Auch Naturgeräusche wie Donner und Regen bauten wir ein und als neue Instrumente kamen Synthesizer und Solina String-Ensemble hinzu. Bei späteren Live-Auftritten wurden die Geräusche und auch Synthesizer-Sound-Effekte wie der Wind bei „Südwind“ vom Tonband zugespielt.

Der Vertrag mit „Brain“ war ausgelaufen und wir wollten unsere neue LP auch nicht als THIRSTY MOON, sondern unter dem Bandnamen BLITZ veröffentlichen. Der Blitz als Symbol für Elektrizität hatte uns dazu inspiriert. „Brain“ zeigte jedoch kein Interesse und auch andere Plattenfirmen lehnten ab.

Wir nahmen neue Demos auf, wieder als THIRSTY MOON, zusammen mit anderen Musikern und präsentierten sie bei „Brain“. Dort hatte 1975 ein neuer Label-Manager das Sagen, der jetzt als erstes „Blitz“ veröffentlichen wollte, original, so wie Norbert und ich es eingespielt hatten, aber unter dem Bandnamen THIRSTY MOON. Es wurde eine erfolgreiche Veröffentlichung, die einen neuen Plattenvertrag mit „Brain“ zur Folge hatte. „Blitz“ wurde sogar in Australien mit offizieller Lizenz gepresst und erschien dort auf dem Label „Clear Light Of Jupiter“.

Beim Bonustrack „Clouds“ handelt es sich um ein Outtake aus unserer Aufnahme-Session zu „Blitz“, der nach Meinung der Plattenfirma nicht mit auf das Album kommen sollte. Eine geliehene 4-Spur-Tonbandmaschine stand zu unserer Verfügung, als wir 1977 im Gulfhaus in Vechta unsere Live-Single „I’ll sing your song“/ „Caught“ aufnahmen. Sie wurde auf Simsons Label „Boccaccio“ veröffentlicht. Die Besetzung der Band bestand zu dieser Zeit aus Uli Harmssen (Keyb.), Junior Weerasinghe (Drums, Voc.), Norbert Drogies (Bass) und Jürgen Drogies (Git., Voc.). Junior, ein humorvoller, lebenslustiger Musiker aus Sri Lanka, spielte auch auf unserem Album „A real good time“ mit, das 1976 bei Brain herauskam und teilweise auf „Starchaser“ (Sky Records 1981).

Jürgen Drogies, Oktober 2006



Die berufenen Musikkritiker taten sich mit der Bewertung des Albums schwer. Im Vergleich zu den beiden ersten Alben hatte sich der Sound auf „Blitz“ verändert. Das Fehlen des Saxophons bedeutete auch eine Abkehr von den früher häufig verwandten Jazzelementen hin zu Rockelementen. Neu war auch das Fehlen von Gesang und die Verwendung des Synthesizers. Der Rezensent der Sounds (Sounds 4/76) schrieb offensichtlich mit knurrendem Magen: „Ein Rock-Eintopf aus deutschen Landen, indem man alles mögliche wiederfindet – angefangen beim WHO-Arrangement über das Stones-Riff bis zum Bo Hansson-Sound. Ganz schön frech, die Jungs. Hoffentlich erschlägt sie darob nicht der Blitz. Und: Beim nächsten Mal, Leute, spielt doch bitte nicht so hölzern. Eine Prise Eleganz würde alles viel genießbarer machen.“ Die Brüder Steven und Allan Freeman urteilten in „The Crack In The Cosmic Egg“ freundlicher und beschrieben Blitz als Instrumentalrockalbum meist basierend auf Gitarren und vielfältigem Trommelspiel und bescheinigten der LP, trotz seiner etwas kommerzielleren Ausrichtung, immer noch das Vorhandensein vieler unverwechselbarer und typischer Thirsty-Moon-Merkmale. In der „Gibraltar-Encyclopedia“ für Progressivrock schreibt Mike Ohman: „Interessant wie die meisten Alben der auf Brain veröffentlichten Bands, aber nicht unentbehrlich. Instrumentale Rockmusik mit starker Betonung der Gitarren und Perkussion. ‚Lord of lightning’ ist ein Hard-Rock-Titel mit krachenden Gitarren und elektrisch verstärktem Cembalo. ‚Rainbow’ ist ein höchst spannender, halb improvisierter Titel im 9/4 Takt, mit fesselndem Gitarrenspiel, Beckenzischen und atonaler Orgel, welcher irgendwie an Softmachine ca. „Volume 2“ erinnert. ‚The jungle of your mind’ beginnt mit einem faszinierenden Rhythmus abwechselnd im 8/4 und 7/4 Takt, der bald in einen langen Perkussionsteil übergeht. ‚Magic Moon’ erinnert an die halb elektronische Musik im Stil von Führs und Fröhling und ‚Crickets Don’t Cry’ enthält Elemente des Reggae“. Im Blitzinfo des Metronome Medienservices zum Erscheinen des Albums liest man folgendes: Der Blitz ist als Naturereignis eine Ur-Erfahrung des Menschen. In alten Schriften und Runen, auf vorzeitlichen Abbildungen, findet man das Blitzsymbol. Der Blitz ruft Emotionen hervor, er bedeutet Kraft, Gewalt, Stärke – aber auch Angst, Ausgeliefertsein des Menschen gegenüber der Natur. Der eingefangene vom Menschen beherrschte Blitz, ist die Elektrizität. Bekannt ist das Schild mit dem roten Blitz auf gelben Grund, das vor Hochspannung warnt. Elektrizität ermöglicht elektrisch verstärkte Instrumente, elektronische Instrumente, Synthesizer etc.. Obwohl es sich bei der LP nicht um „Programmmusik“ handelt und keine fortlaufende „Geschichte“ erzählt wird, stehen die einzelnen Stücke, sowohl musikalisch, als auch vom Titel her, in einem gewissen Zusammenhang. Stimmungen werden aufgebaut, gesteigert, verändert, zerstört ... Es ist kein fertiges „Hörspiel“, sondern es werden Eindrücke vermittelt, zu denen der Hörer seine eigene „Story“ assoziieren kann.

Jürgen Drogies äußerte damals: „Auf den beiden ersten LPs der Gruppe sind Rock- und Jazzelemente zu finden. Sie wurden aber nicht ständig verschmolzen, sondern bewusst als Kontrast verwendet. Zu Zeiten der zweiten LP tendierte die Musik immer mehr zum introvertierten Jazz. Auf der dritten LP ‚Blitz’ wurden die Rock-elemente der Musik wieder stärker belebt. Anstelle des Saxophons trat als neues Instrument der Synthesizer und eröffnete eine neue, elektronische Dimension.“ Die Veränderung des Sounds der Band auf „Blitz“ ist unverkennbar. Auch wenn die Musik des Albums allein vom Duo Jürgen und Norbert Drogies komponiert, eingespielt und produziert wurde, ist gegenüber den mit fremden Produzenten und im Kollektiv erarbeiteten ersten beiden Alben kein Qualitätsverlust festzustellen. Aufgrund der veränderten musikalischen Ausrichtung ergibt es allerdings keinen Sinn, das Album mit den ersten beiden Alben der Band zu vergleichen. Für die Brüder Drogies war allerdings auch klar, dass sie dieses Album zu zweit nicht würden live promoten können. Nach dem Erscheinen des Albums Anfang 1975 suchten sie nach Mitmusikern und traten im Frühjahr des Jahres zusammen mit dem Keyboarder und Sänger Gert Lueken und dem Bassisten Heinz Sander wieder auf. Am 29. Mai 1975 fand im Bremer Szeneclub „Lila Eule“ ein Konzert statt, welches mitgeschnitten und erstmals auf Long Hair (LHC 55, Thirsty Moon „I’ll be back“-Live’ 75) veröffentlicht wird. Die Geschichte dieser Thirsty Moon-Besetzung, die Umstände der Aufnahme des Konzertes sowie das absolvierte Programm erzählt Jürgen Drogies in Teil 4 der Thirsty-Moon-Story im Booklet zur ebenfalls aktuell erschienenen CD.

Manfred Steinheuer, Oktober 2006

Beschreibung mit freundlicher Genehmigung von Longhair


01. lord of lightning 3:42
02. riding in the rain 3:17
03. magic moon 4:41
04. it was love 3:14
05. speak for yourself 2:53
06. südwind 3:57
07. rainbow 5:10
08. the jungle of your mind 7:28
09. crickets don’t cry 5:17
   
Bonustracks
10. clouds 5:25
11. i’ll sing your song 6:22
12. caught 8:07
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Brain - 1976 - LP

Longhair - 2006 - CD

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