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Various - Sampler - Super Rock AG (3LP) - 1974

Bewertungen:
charlie miller
gnilor

Various - Sampler_Super Rock AG (3LP)_krautrock
"Hallo (!)...
...gallo", das sind eingefangene zehn Minuten einer Sternstunde. So macht dieser Mammut-Sampler schon nach wenigen Takten klar, daß sich der Rock aus der Bundesrepublik von dem anglo-amerikanischen Rock längst nicht mehr zu ducken braucht. Vor allem dann nicht, wenn die deutschen Musiker gar nicht erst versuchen, wie ihre ruhmhaften Kollegen aus den USA und England zu klingen. - Zu diesen Vertretern eines neuen und unabhängigen Selbstbewustseins zählte auch das Düsseldorfer Duo NEU. Klaus Dinger und Michael Rother (beide ehemals in der Kraftwerk) haben ihre Wurzeln nicht auf den Baumwollfeldern der US-Südstaaten. Und sie tun auch gar nicht so. Diese beiden Multiinstrumentalisten spielen originäre Musik des modernen Industriezeitalters: Maschinelle, ebenmäßige Metrik, elektronische Klänge feinster Nuancierung, die wie aus dem Nichts auftauchen, sich in geschmeidigen Melodielinien durch das Rhythmusgeflecht fädeln und in den Tiefen der Stereokanäle entschwinden. Keine aufdringliche Koketterie mit moderner innerer Zerissenheit, sondern die einladende Lust an einer kühlen, betörenden Ekstase.
Mit dem "Elektrolurch" stellt sich die lockerste Figur der deutschen Rockszene vor. Weit und breit ohne Konkurrenz.Wenn man der deutschen Rockmusik einen Vorwurf machen kann, dann den, daß sie sich zu ernst nimmt. Auf einen trifft das gewiß nicht zu, auf Mani Neumeier, den "weißen Neger" am Schlagzeug der Guru Guru, auf den "falschen Schweizer" aus dem Odenwald. Die Musik kündigt ihn an, tapsig und tänzelnd. Mit einer üppigen Kappe aus grünem Schaumgummi, mit wippenden bunten Glühbirnchen daran, als sei er soeben dem Farngestrüpp eines wundersamen Märchenwaldes entsprungen. Der Gnom zwitschert auf seiner Glissando-Flöte und richtet ..."Gestatten?" ...an sich und seine beiden Mitstreiter ein paar stereotype Interviewfragen, z. B. "Warum macht ihr eigentlich Musik?" Nur schwer ist die Antwort von Gitarrist Ax Genrich zu verstehen: "Etwas Besseres als den Tod können wir allemal finden." Etwas besseres als ein Angestellten-Dasein hinter dem Schreibtisch offenbar auch. (Musik muß zuerst mal Spaß machen.) Und zum Ausklang zischen sie, allen voran Ax, in einen Höhenflug fülliger, fächerförmig aneinandergereihter Gitarrenklänge ab. Viel zu kurz ist dieser Abschied!
1/2 x NEU + 1 x Cluster = Harmonia. Michael Rother hat die NEU letztes Jahr verlassen und sich den beiden Elektronik-Spezies Dieter Moebius und Achim Roedelius im Weserbergland angeschlossen. Anfang '74 erschien ein ausgereiftes Debut-Album dieser drei. Die Rhythmusmaschine schnalzt wie eine hochvoltige Elektro-Peitsche in regelmäßigen Entladungen. Dazwischen malen elektrisch verfremdete Saiteninstrumente, Orgeln und Generatoren ein kräftiges, stimmungsvolles Klanggemisch.
Wie die Cluster zu zweit geklungen hat, läßt sich danach ausgiebig anhören. Knappe 13 Minuten "Im Süden". Ein Auszug aus dem zweiten Album des Elektronik-Duos, "Cluster II". Was sich da breit, volumiös und träge heranwälzt, tönt wie das elektronische Klanggemälde zu einem Zeitlupenfilm der Schöpfung. Die elektronische Klangwerkstatt vom Ringmodulator bis zur Echomaschine wird absolut eigenartig genutzt. Eben nicht Gehabtes auf Elektronik getrimmt! Eine ungeheuere Ruhe und Dichte und Weite, die sich hier ausbreiten. Sphären-, Milchstraßen- und Lichtjahre-Musik, wie sie sich z. B. Englands Pink Floyd erträumt haben mag, aber nie so konsequent verwirklicht hat.
Yatha Sidhra kommt aus Freiburg und hieß früher Brontosaurus. "A Meditation Mass" ist eine reichliche Kostprobe aus ihrem gleichnamigen Debut-Werk, produziert von Deutschlands Pionier-Rockern Achim Reichel und Frank Dostal. Viel verfremdete, schillernde E-Gitarre und friedliche Flöte in einem großen dynamischen Spannungsbogen.
Die Jane aus Hannover, bisher drei Alben, haben sich bereits international etabliert. In Harmonik und Rhythmik sehr bluesig bauen sie in "Daytime", von ihrer ersten LP "Together", eine melancholische Stimmung auf. Frei und komplex in der Formgebung.
Alles andere als ein grobes, ungehauenes Machwerk liefert die Grobschnitt aus Hagen mit ihrer "Symphonie". Vor allem im Eröffnungsteil ("Modulation") erklingt rhythmische, fesselnde Feinarbeit. Insgesamt ein Beispiel sogenanntem Klassik-Rock.
Das Rock lyrisch und romantisch sein kann und deshalb nicht gleich auf ländliche Akustik zurückgreifen muß, das demonstriert die Novalis aus Hamburg. "Inside Of Me" ist ein Stillleben in satten Klangfarben, mit kräftigem, rhythmischen "Pinselstrich" gezogen.
Die Lava aus Berlin musiziert derb, kraftvoll und mit notorischer Eindringlichkeit. Hämmernd und eindringlich wie die englische Hawkwind. "Tears Are Going Home" hat eien mächtigen Raumklang und eine mitreißende Fahrt. Leider ist diese Band nur sehr selten live zu hören.
Die Scorpions haben sich in jahrelanger Arbeit den Ruf als eine stählerne Heavy-Rock-Gruppe eingehandelt. Ihr schmerzlichster Abgang war zugleich eine heiße Empfehlung: die englische UFO holte sich den jungen Scorpions-Gitarristen Michael Schenker. "It All Depends" vom "Lonesome Crow"-Album befriedigt jeden Hard-Rock-Fan.
Sieben, zum Teil jazz-erprobte Ostwestfalen machen glatt den besten Jazz-Rock-Bands wie Chicago und Blood, Sweat & Tears Konkurrenz. Ihr Name: Creative Rock. Ihre erste LP: "Gorilla". Beispiel: "Natron". Größte Trümpfe: Vielfalt und sicheres Können.
"Sperrmüll" am Niederrhein. Heavy und bluesig. Drei aus dem Quartett besuchen die Musikhochschule. Doch setzten sie sich nicht aufs hohe Roß. Ihre Musik kommt den Hörern entgegen und geht in die Beine. Ihre Zukunft sehen sie "zwischen Yes, Amon Düül und King Crimson".
Es gibt zwei großartige Entdeckungen des letzten Jahres: Thirsty Moon und Curly Curve aus Berlin. Die Berliner Band gibt es in leicht veränderter Besetzung schon seit Jahren.Und von Baßmann Kurt Herkenberg weiß man, daß er mit Jimmy Page gejammt hat. Ihre lange fällige Erstlings-LP "Curly Curve" hat internationale Spitzenqualität. "Queen Of Spades" ist ein Fünf-Minuten-Zeugnis daraus. Der schwappende, zwischen den Kanälen hin- und hertorkelnde Jet-Sound und das beharrliche, hypnotische Schlagzeug, elektronisch verfremdet, erzeugen eine eigenwillige Faszination.
Und noch einmal gekonnter Jazzrock, ohne Blech: die Emergency. Diese nach der Hair-Aufführung entstandene Band hat sich nach einer Reihe Umbesetzungen gefangen. Dank des entschlossenen Saxophonisten Hanus Berka aus Prag. (Die Emergency ist sicherlich die internationalste Band des Landes. Neben dem Mann aus Prag ein Pole am Baß und neuerdings ein Amerikaner am Schlagzeug.) In Peter Bischof verfügt sie über den wahrscheinlich besten Sänger des German Rock.
Den Namen "Thirsty Moon" sollte man sich einprägen, wenn man den internationalen Standard des deutschen Rock belegen will. Aus dem Debut-Album der Bremer Band ragt "Big City" heraus. Großstadtgeräusche und hinreißende Perkussion leiten den 9-Minuten-Titel ein. Eine Rhythmusgruppe, wie man sie in Äquatornähe und weiter südlich vermuten würde, aber nicht im kühlen Norden. Eingfachheit, Dichte und eine starke Atmosphäre zeichnen die vielen guten Stücke ihrer zwei Alben aus. Alle Soli bleiben eng in die Gruppenmusik eingebettet.
Zu den unverwüstlichen Top-Gruppen des Landes zählt nach wie vor die Münchener Embryo. Nie zu sagen, in welcher Besetzung sie antritt. Nur einer ist stets gewiss: Christian Burchard - Schlagzeug, Vibraphon, Marimba. Hier spielen sie mit Dave King (Baß), zur Zeit wieder fest dabei, Edgar Hoffmann (Saxophon, Geige), Siegfried Schwab (Gitarre, Saiteninstrumente), Jimmy Jackson (Orgel) und ihrem Freund, dem US-Pianisten Mal Waldron. "A Place To Go" stammt aus ihrer Session-LP "Rocksession". Wie so oft erzeugt die Embryo auch diesmal ein orientalisches Flair.
Aus Krefeld kommt die erstklassige Kollektiv. Die Band bringt ihre poppigen und jazzigen Neigungen gekonnt unter einen Hut. "Gageg" von ihrer Debut-LP "Kollektiv" ist entspannt und von einschmeichelnder Schönheit. Mit so ziemlich den sensibelsten Flötentönen aus deutschen Landen.
Zum Schluß noch einmal ein rhythmischer und virtuoser Aufwind: die Wolfgang Dauner Group mit "Jive Samba". Klanglich enorm kontrastreich, trockener Konzertflügel und eine verfremdete E-Gitarre, die eher wie ein unwirkliches gestopftes Saxophon klingt und anderes mehr.
Die Vielfältigkeit und Qualität des Rock in Deutschland sind enorm. Es ist schön zu sehen, daß sich diese Wertschätzung inzwischen bei vielen Rock-Freunden des Landes breitgemacht hat. Diese Zeilen wurden geschrieben, als sich zu Festivals mit allein deutschen Gruppen die größten Hallen des Landes zu füllen begonnen hatten.

Februar 1974, Winfried Trenkler
01. Neu Hallogallo 10:02
02. Guru Guru Der Elektrolurch 9:46
03. Harmonia Dino 3:30
04. Cluster Im Süden 12:50
05. Yatha Sidhra A Meditation Mass, Part 3 8:00
06. Jane Daytime 8:02
07. Grobschnitt Symphony 12:00
08. Novalis Inside Of Me (Inside Of You) 5:06
09. Lava Tears Are Goin' Home 4:25
10. Scorpions It All Depends 3:26
11. Creative Rock Natron 6:17
12. Sperrmüll Pat Casey 3:13
13. Curly Curve Queen Of Spades 5:01
14. Emergency Get Out To The Country 12:00
15. Thirty Moon Big City 8:35
16. Embryo A Place To Go 4:25
17. Kollektiv Gageg 5:05
18. Wolfgang Dauner Group Jive Samba 7:25
   
   
Various - Sampler_Super Rock AG (3LP)_krautrock
Metronome - 1974 - LP (Bestellnr.: 0900.002-1/3)

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