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Kraan (Ulm) - Psychedelic man - 2007

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Kraan_Psychedelic man_krautrock
Auf der Suche nach dem gewissen Etwas, dem musikalischen Geheimnis von Kraan muss man die Intention und die künstlerische Philosophie der vier Bandmitglieder Peter Wolbrandt (Gitarre & Gesang), Hellmut Hattler (Bass), Jan Fride (Schlagzeug) und Ingo Bischof (Keyboards) verstehen. Denn zufällig oder gar profan ist in dieser Musik nichts, auch wenn Kraan diesen Eindruck manchmal bewusst erwecken oder sogar damit kokettieren. Ihre Songs glänzen durch eine nur schwer zu beschreibende Mischung aus entspannter, fast lasziver Atmosphäre und gleichzeitig pulsierender Dynamik, sie bestehen aus Rock, Jazz, Fusion und Ethno und klingen dennoch jederzeit eindeutig. Oft ist es ein magischer Groove in Verbindung mit dem signifikanten Bass-Spiel Hattlers und einem geradezu weltentrückt Gitarre spielenden Wolbrandt, der den Zuhörer direkt ins Mark trifft. Manchmal fasziniert ein Kraan-Stück durch seinen originellen Gesang, durch eine wunderbare Hookline oder eine raffinierte Keyboardpassage, meistens aber durch alle diese Einzelkomponenten zusammen. Derartige Beschreibungen treffen nicht nur auf die bisherigen Alben der Gruppe zu, sondern erneut und - fast erscheint es so - mehr denn je auch auf ihr neues Studiowerk Psychedelic Man, das im März 2007 erscheint. Der erste Eindruck suggeriert dem Hörer "typisch Kraan", die genauere Analyse führt dann automatisch zu der Erkenntnis, dass es zwar tatsächlich typisch Kraan ist, gleichzeitig aber modern, überraschend und zeitgemäß klingt.

Es ist die Lockerheit, der unverkrampfte Spaß am Spielen und die Lust an der Kreativität, die man immer schon aus Kraan-Songs heraushören konnte und die auch jetzt quasi wie ein Karma über dem neuen Album Psychedelic Man schweben. "Wir haben vor zwei Jahren einfach angefangen, Ideen zu sammeln, ohne genau zu wissen, was damit passieren soll", erzählt Wolbrandt zur Vorgeschichte von Psychedelic Man. "Dann trafen Hellmut, Jan und ich uns in Jans Studio am Bodensee und nahmen das auf, was wir hatten. Übrigens zum ersten Mal in der Kraan-Historie ohne Hilfe von außen, also ohne Produzenten. Wir spielten unser Material einfach trocken in die Bandmaschinen. Es machte wahnsinnig viel Spaß, in einer dermaßen lockeren Atmosphäre kreativ sein zu können." Später fügte Keyboarder Ingo Bischof den Playbacks seine Ideen hinzu, das komplette Ergebnis wurde anschließend Toningenieur Jürgen Schlachter, einem Freund der Band, zur Nachbearbeitung gegeben. "Jürgen hat lediglich ein paar Groove-Unregelmäßigkeiten behoben und das Album gemischt", erklärt Wolbrandt.

Man spürt die künstlerische Offenheit aller Beteiligten, man hört, dass sich Gitarrist Wolbrandt immer wieder von neuen englischen Bands inspirieren lässt und früher bereits mit modernen Trends experimentiert hat. Man entdeckt rhythmische Feinheiten, die unverkennbar auf Frides Erfahrungen mit Drum´n`Bass hindeuten, und genießt Hattler intelligentes und unnachahmliches Bass-Spiel an der Grenze zwischen Rock, Jazz und Worldmusic, zu dem auch die feinen Keyboardpassagen Bischofs perfekt passen. Vier der zwölf neuen Stücke sind mit Gesang, den Wolbrandt jedoch nicht übermäßig hervorheben möchte. Er selbst sieht seine Worte wie ein weiteres Instrument: "Es sind lautmalerische Texte, Dinge, die mir spontan eingefallen sind und vor allem phonetisch zur Musik passen sollen", sagt der Gitarrist. "Das Gefühl der Musik ist wichtiger als eine spezielle Botschaft." Gleiches gilt für das tolle Cover-Artwork, das ebenfalls aus Wolbrandts Feder stammt und die lange Kraan-Tradition mit eigenen Bildern der Musiker fortsetzt. Auch dieses gehört zum ganz besonderen Esprit eines typischen aber immer wieder aufregenden Kraan-Werkes wie Psychedelic Man dazu.


Kraan entstanden im Mai 1970. Ihr Debütalbum nahmen die vier Ur-Kraaniche Peter Wolbrandt, Jan Fride, Hellmut Hattler und Alto Pappert in einer zweitägigen (!) Studiosession auf und pflegten auch sonst den Hang zur Spontaneität. Kraan genossen auf dem stillgelegten Weidegut Wintrup am Rande des Teutoburger Waldes das Leben einer musikalischen Kommune. Ihre dritte Veröffentlichung Andy Nogger erschien in Österreich, der Schweiz, Holland, Kanada, Australien, England, Skandinavien sowie Südafrika, verkaufte sich 120.000 Mal und wurde vom deutschen ´Musikexpress` zur Platte des Jahres gekürt. Bereits vier Wochen nach Veröffentlichung in Amerika rangierte das Album in den Billboard Charts auf Platz 9 der meistgespielten LPs aller US-Sender. Im Oktober 1974 wurde von Produzent Conny Plank im Berliner ´Quartier Latin` ihr Doppelalbum Kraan Live mitgeschnitten: eines der herausragenden Jazzrock-Alben - bis in unsere Tage. Nach einem Auftritt beim Roskilde Festival in Dänemark im Juni 1975 ersetzte die Gruppe den ausgestiegenen Pappert durch den Pianisten und Mini-Moog-Spezialisten Ingo Bischof. Mit dem folgenden, ebenfalls großartigen Album Let It Out avancierten Kraan im Magazin ´Sounds` zur Gruppe des Jahres.

Danach begann für Kraan eine neue Zeitrechnung. Die beiden Alben Wiederhören (1977) und Flyday (1978), speziell aber das 83er Opus Nachtfahrt (dazwischen liegt noch die Veröffentlichung des zweiten Live-Albums Tournee) reflektierten den geänderten Zeitgeist. Die Neue Deutsche Welle zog in die deutsche Musiklandschaft ein, von ihr blieben auch Kraan nicht unbeeinflusst. Als kreative und produzierende Band wie zu Wintruper Zeiten existierten Kraan zum damaligen Zeitpunkt nicht mehr; die Aktivitäten der Gruppe beschränkten sich bis zum Jahr 1984 auf Tourneen in wechselnden Besetzungen. Danach sollte endgültig Schluss sein, aber schon 1988 erschien das dritte Bühnenwerk Live ´88, gefolgt von den beiden Studioalben Dancing In The Shade und Soul Of Stone. Mit einem Auftritt auf der ´Dokumenta` in Kassel schloss 1992 die Kraan-Historie für fast ein komplettes Jahrzehnt.

Hattler setzte seine Karriere mit dem bereits auf den letzten Kraan-Veröffentlichungen zu hörenden Trompeter Joo Kraus in der Formation Tab Two fort, Wolbrandt widmete sich seinem Beruf als Graphiker und Programmierer. Erst anlässlich des dreißigjährigen Kraan-Jubiläums reformierte sich die Band im Frühjahr 2000 in der Besetzung Hattler, Wolbrandt, Bischof und Fride, veröffentlichte unter dem Namen Live 2001 die beiden Jubiläumskonzerte, spielte eine überaus erfolgreiche Deutschlandtournee und produzierte im Frühjahr 2003 ihr Comeback-Album Through, das auf wundersame Weise an alte Tugenden anknüpfte. Auch auf Psychedelic Man erweist sich diese unverwechselbare Band als ein Füllhorn an Kreativität und Musikalität, die in dieser Form in Deutschland einzigartig ist.
(Pressetext)
01. Come Back 3:03
02. Silver Buildings 4:40
03. Dakkar 3:54
04. Miracle Days 3:16
05. Luft Und Liebe 3:37
06. Psychedelic Man 4:14
07. Inner Cycle 5:20
08. Disbanned Shake 3:57
09. Colourcave 6:44
10. Alles Gute 3:10
11. Feierabend 6:14
12. (download bonus track: Inuit Minuet 5:08)
   
Kraan_Psychedelic man_krautrock
Kraan_Psychedelic man_krautrock
Bischof, Ingo (19)  Atlantis; Guru Guru; Hattler, Hellmut; Karthago
Fride, Jan (20)  Alto; Duwe, Mickie; Genrich, Ax; Göldner, Andy; Guru Guru; Hattler, Hellmut; Roland & die "Dadadogs"; Wolbrandt, Peter
Hattler, Hellmut (24)  Alto; Genrich, Ax; Guru Guru; Hattler, Hellmut; Liliental; Roland & die "Dadadogs"; Wolbrandt, Peter
Wolbrandt, Peter (22)  Alto; Carsten Bohn's Bandstand; Genrich, Ax; Göldner, Andy; Guru Guru; Hattler, Hellmut; Wolbrandt, Peter
EMI - 2007 - CD

Referenzen: Guru Guru

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