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Brave New World - Impressions On Reading Aldous Huxley - 1971

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Brave New World_Impressions On Reading Aldous Huxley_krautrock
Es gibt wenige Platten, die mal "nebenbei" laufen können, ohne zu nerven, und dabei den Raum mit einer bestimmten Atmosphäre füllen, ohne nur ambient-amorph zu wabern, nein da gibt es viel zu hören und entdecken:

Flötiger Folk, krautiger Prog, mönchige Chöre und Geflirre und Gefrickel ergeben einen entspannten Soundtrack, der durchaus zu Aldous Huxley passen mag, allerdings in einer pulpigen Paperbackausgabe mit schön buntem Retro-SciFi-Artwork.
(Thurston vom Musikzirkus)

Der Ire John O'Brien-Docker gründete 1965 in Hamburg die Folk-Politrockband City Preachers, die bis zum Beginn der 70er aktiv war. Die Gruppe war teilweise die Kinderstube für die Rockszene der Hansestadt, spielten z.B. die gesamte Besetzung von Frumpy (Inga Rumpf, Jean-Jacques Kravetz, Carsten Bohn und Karl-Heinz Schott), die Sängerin Dagmar Krause und auch der junge Udo Lindenberg in der Band des Iren. Nach dem Ende der City Preachers zog sich O'Brien-Docker weitestgehend aus dem Musikgeschäft zurück. Sein letztes, musikalisches Lebenszeichen war eine heutzutage sehr seltene LP, die 1972 auf dem Vertigo-Label von Philips erschienen ist.

Brave New Word nannten O'Brien-Docker und der Jazzer Herb Geller ihre kurzlebige Formation, die "Impressions On Reading Aldous Huxley" eingespielt hat. Ihre Eindrücke beim Lesen von "Schöne Neue Welt" wollten die beiden mit dem Album hörbar machen. Unterstützt von Lucas Lindholm, Dicky Tarrach und Reinhart Firchow haben sie dabei ein ausgesprochen eigenständiges Album eingespielt, welches im Krautrock-Bereich einzigartig dasteht.

Jazz, Rock, Elektronisches und etwas Folk sind die Zutaten für auf "Impressions On Reading Aldous Huxley" zu findenden Musik. Sehr prominent kommen Flöten zum Einsatz, insbesondere Blockflöten. Wer nicht glaubt, dass man mit einer Altblockflöte rocken kann, der sollte einmal in die zweite Hälfte von "The End" hineinhören. Ziemlich gut kommt auch das heulende Stylophon-Solo in "Soma". Was ein Stylophon ist? Nun, eine dieser Flöten (meist als Kinderspielzeug zu finden), an deren unterem Ende ein Stößel angebracht ist, mit dem man durch Auf- und Niederschieben das Volumen der Luftsäule und damit die Tonhöhe der Flöte verändern kann. Neben Blockflöten und Stylophon kommen noch E- und Akustikgitarre, Bass, Schlagzeug, eine umfangreiche Perkussion, Querflöte, Saxophone, Englischhorn, eine Hammond-Orgel, Piano und einige elektronische Tasteninstrumente zum Einsatz.

Ein entspannter, schwebender Jazzrock ist auf "Impressions On Reading Aldous Huxley" meist zu Hören, versehen allerdings mit im Hintergrund herumwabernden Elektronikspielereien, ein paar exotischen Einsprengseln (etwas später würde man Worldmusic dazu sagen), einer Prise Folk, etwas Pink Floyd und einer guten Portion kosmischer Krautrock-Atmosphäre. Am ehesten lässt sich die Musik - wegen der Flötendominanz und der Ethnoelemente - vielleicht mit der von Jade Warrior in ihrer Islands-Phase vergleichen (siehe "Floating World"). Erstaunlich ist die Langnummer "The End". Hier erzeugen der gestrichene Bass, Englischhorn, diverse Flöten, Schlagzeug und verhaltene Synthesizerklänge stellenweise eigenartig klassisch anmutende Tongefüge, die entfernt an den viel später entstandenen Kammerrock von Univers Zero und Art Zoyd erinnern. Diese Abschnitte sind aber nur kurz. Vorherrschend ist eben dieser typisch krautige Jazzrock der frühen 70er, wie er auch bei Bands wie Embryo und Xhol zu finden war, den man mit dem Adjektiv "meditativ" ganz gut beschreibt. Das Interessante bei Brave New World ist aber, dass Blockflöten oft die Rolle des Soloinstruments übernehmen. Was Reinhart Firchow dabei auf dem Kasten hat ist - wie schon erwähnt - nach gut 10 Minuten von "The End" zu hören. Ausgesprochen flott und virtuos lässt er seine Altflöte rocken, dass man nur staunen kann!

"Impressions On Reading Aldous Huxley" ist eine ausgesprochen schöne und abwechslungsreiche Scheibe, der man fast den Status eines Krautrockklassikers zugestehen könnte. Zumindest ist das hier Gebotene um einiges spannender und differenzierter als vieles, was sonst so als Höhepunkt des Genres gepriesen wird. Daher ist es mir ausgesprochen rätselhaft, warum dieses Album noch kein CD-Reissue erlebt hat. Sind die Masterbänder verschollen? Hat jemand (O'Brien-Docker? - Geller?) etwas gegen die Wiederveröffentlichung? Oder ist die Scheibe bisher einfach vergessen worden? Wie auch immer, ich kann nur hoffen, dass dieses interessante Album irgendwann einmal eine ordentliche CD-Wiederauflage erlebt! Spätestens dann sei "Impressions On Reading Aldous Huxley" allen Krautrockliebhabern sehr empfohlen!
(Quelle: www.babyblaue-seiten.de, Achim Breiling)
01. PROLOGUE (1'02")
02. ALPHA, BETA, GAMMA, DELTA, EPSILON...FORD (7'55")
03. LENINA (4'27")
04. SOMA (5'22")
05. MALPAIS CORN DANCE (3'27')
06. THE END (19'22")
07. EPILOGUE (0.5")
   
Brave New World_Impressions On Reading Aldous Huxley_krautrock
Brave New World_Impressions On Reading Aldous Huxley_krautrock
Firchow, Reinhart (3) (recorders, flutes, ocarina, stylophone, percussion, vocals)  City Preachers; Kaarst
Geller, Herb (11) (flutes, cor anglais, alto/soprano/tenor saxes, organ)  David, Frank; Gebrüder Engel; Harrison, Geff; Känguru; Lucifer's Friend; Message; Okko (Bekker); Satin Whale; Weiss, Klaus
Lindholm, Lucas (2) (bass, bass fiddle, organ, piano)  Weiss, Klaus
O'Brien-Docker, John (3) (guitars, organ, percussion, vocals, wind chimes)  City Preachers; Marcel
Tarrach, Dicky (24) (drums, percussion) A. R. & Machines (Achim Reichel); Anton, Michael & Amok; Gash; Harrison, Geff; Propeller; Randy Pie; Wonderland; Wonderland Band

Gäste:
Daniels, Esther (1) (vocals) 
Vertigo - 1971 - LP

Wah Wah - 2016 - LP

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